Wir lassen niemanden sitzen!
Schwerter Juso-Chef Malcharczyk kommentiert Veranstaltung blauäugiger CDU-Frauen:
Wir lassen niemanden sitzen!
„Das neue NRW-Schulgesetz – Chance oder Risiko?“ So titelte die Frauen-Union ihre Veranstaltung mit dem Staatssekretär des Landesministerium für Schule und Weiterbildung Günter Winands, über welche heute die Westfälischen Rundschau berichtete. Was für eine Frage, wenn die Gefahren selten deutlicher und von allen Seiten wahrgenommen wurden.
Doch die angestrebten brisanten und allerseits umstrittenen Änderungen des Schulgesetztes scheinen bei dieser Veranstaltung wohl gänzlich ausgeblendet worden zu sein. Oder hat die Frauen-Union beispielsweise noch nichts von der Auflösung der Grundschulbezirke oder der Quasi-Entmündigung von ihnen und ihren Kindern gehört?
Es ist kaum Trost, betont der Staatssekretär des Düsseldorfer Schulministeriums, die Hauptschulen würden nun aufgewertet werden. Ein schwacher höchstens, wenn dies nur geschieht um der Diskussion über das dreigliedrige Schulsystem aus dem Weg zu gehen. Denn von einem neuen Status der NRW-Hauptschulen ist im neuen Schulgesetz nichts zu lesen, allein im Landtag beteuerte die CDU derartige Absichten aus Angst vor der Rütli-Debatte.
Statt neue Systeme anzudenken werden alte verfestigt und die Gesamtschule nicht als eine gleichwertige Schulform anerkannt. An entscheidenden Schnittstellen in der Bildungspolitik sitzen noch immer fundamentalistisch-konservative Kräfte. Mit Schavan und Sommer wird eher die Prügelstrafe wieder eingeführt, als über Grundsätzliches nachgedacht werden. Mit ihnen wird die BRD und NRW niemals PISA-Referenzklasse werden.
An Hohn grenzt es im Weiteren, wenn Winands sich noch traut die zusätzliche Einstellung von zahlreichen Lehrkräften zu versprechen. Dies war vor über einem Jahr großes Wahlversprechen von Jürgen Rüttgers. Seitdem gibt es in NRW deutlich weniger Lehrkräfte als zuvor.
Eins kann jedoch selbst ein Juso den Erläuterung des CDU-Staatssekretärs abgewinnen; die Diskussion über die Abschaffung des „Sitzenbleibens“ war längst überfällig. Nicht nur aus Lehrermangel. Was soll die Deklassierung und Demotivierung Einzelner auch jemals gebracht haben? Doch auch hier wird von den Jusos in der Abschaffung des dreigliedrigen Schulsystems eine Lösung erkannt. Hätten wir das Problem des „Sitzenbleibens“ denn überhaupt noch in heutiger Form, wenn die Klassenverbände nicht nur nach elitären, sondern auch nach sozialen, gemeinschaftlichen Gesichtspunkten gebildet würden? Jeder hat seine Qualitäten, diese Einsicht würde in dem deutschen Bildungssystem schon heute eine Menge Potential freisetzen.
Die Jusos wollen niemanden sitzen lassen und jedem die freie Entfaltung seiner Fähigkeiten ermöglichen. Da ist es Pflicht sich gegen das NRW-Schulgesetz in seiner Gänze zu sperren. Durch die Veranstaltung der Frauen-Union sehen sie jedoch wieder einmal bestätigt: Nichts ist zu schlecht um es gut zu reden.
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