WR: Jugendarbeit ein lohnendes Invest
Kamen. (wig) Es ist das Recht und die Pflicht junger Politiker, sich intensiver als andere mit der Zukunft zu beschäftigen. Traditionell stellen sich die Jungsozialisten dieser Aufgabe mit provokanten Ideen. Am Dienstag Abend zum Thema Kommunale Jugendarbeit.
Es lohnt sich, deren in Kamen erreichtes hohes Niveau zu verteidigen, so die Überzeugung der Diskussionsrunde des Juso-Unterbezirks bei der AWO an der Unnaer Straße. Es lohnt sich auch finanziell für die Stadt, erläuterte Jörn Tautz, Koordinator für mobile Jugendarbeit in Kamen. Wer sich rechtzeitig und mit guten Angeboten um die Jugendlichen kümmert, kann dazu beitragen, dass weniger Jugendliche später in Heimen untergebracht werden müssen. Eine einzige solche Unterbringung kostet die Stadt 45 000 E im Jahr. In Kamen müssen derzeit “nur” swenige olche Fälle finanziert werden – im kommenden Jahr 28 – deutlich weniger aber als in anderen Städten. Das entlastet den Haushalt und lässt Raum für freiwillige Investitionen, unter anderem in die Jugendarbeit. Die von den Jusos vorbereitete, bewusst provozierende These “Wir brauchen volle Kassen, also kürzt die Jugendarbeit” geht also in jeder Hinsicht in die falsche Richtung. Das erläuterte auch Ratsmitglied Heiko Klanke, neben Tautz an diesem Abend Referent bei den Jusos. Viel sparen könne man ohnehin nicht – gerade mal rund 1 Million der Kamener Gesamtausgaben in Sachen Jugendhilfe ist freiwillig: Zuschüsse zu den Jugendfreizeiten etwa, Jugendkonzerte oder die Angebote in den Freizeitzentren. Sie stünden übrigens komplett in Frage, wenn die Stadt in die Haushaltssicherung gezwungen würde, erklärte Klanke. Dies langfristig zu vermeiden, hilft aber gerade auch die gute Jugendarbeit. Wobei immer wieder neu definiert werden muss, wo “gute” Jugendarbeit ansetzen muss, wie Unterbezirksvorsitzender Alexander Rehmeier betonte. Wie weit darf und muss man ersetzen, was Eltern nicht (mehr) an Erziehungsarbeit leisten können? Zu sehr dürfe man die Eltern auch nicht aus ihrer Pflicht entlassen, betonte Heiko Klanke. Andererseits erziehe “auch der Staat nicht schlecht”, wie Beispiele vor allem aus Skandinavien zeigten. Grenzen der Jugendarbeit wurden nach der vielschichtigen Debatte am Ende deutlich: Gegen Mangel an Arbeits- und Ausbildungsplätzen sei man machtlos, betonte Klanke. Nicht aber gegen den Skandal, dass Kindern kein gutes Essen angeboten werden könne. “Wir sind reich genug, um so etwas zu verhindern”, betonte Klanke. Jörn Tautz setzte ans Ende der Diskussion eine etwas zynisch klingende Überlegung. Angesichts der älter werdenden Gesellschaft, könnte es sein, dass man sich noch stärker um das kostbare Gut des Nachwuchses bemühen werde. (WR-Online vom 29.11.06)









Donnerstag, 30.November 2006 von Christoph
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