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Die Gegendemo zeigte Wirkung

Sonntag, 29.April 2007 von

Kamen, Presse, Unterbezirk

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Festnahmen in Kamen verzögerten Auftritt in Paderborn

Kamen. (wol) “Eine neue Jugend, eine alte Idee” stand auf einem der Transparente, das die Neonazis mitbrachten zum Gastspiel auf dem Willy-Brandt-Platz. Mehr als ein paar dumpfe Anklänge an eine alte Ideologie wurden sie dort auch nicht los.

Es war ein kleiner Haufen, der dort anreiste. Wortführer ließen sich identifizieren als Rechtsextreme aus Dortmund oder Hamm, ein weiteres Transparent brachten die Neonazis laut eigenem Bekunden aus Gütersloh mit. Sie waren auf Tournee am Samstag. Vor dem Auftritt in Kamen hatten sie am Morgen schon in Recklinghausen und in Castrop Rauxel versuchen wollen, ihre Parolen loszuwerden. In Recklinghausen fuhren sie unverrichteter Dinge wieder weg, wie die Polizei später mitteilte. In Castrop Rauxel fand überhaupt nichts statt. Eine weitere Station war am Nachmittag noch in Paderborn geplant, sollte sich durch den Verlauf in Kamen jedoch erheblich verzögern. Hier auf dem Willy-Brandt-Platz blieb es bei ein paar kleinen Provokationsspielchen. Neonazis vesuchten Beobachter jenseits der Polizeiabsperrung zu fotografieren, sie verlasen die Auflagen der Polizei und versuchten damit doch noch all jene aktuellen Verfremdungen nationalsozialistischer Symbolik zu nennen, die ihnen eigentlich verboten waren.

Was sie aber sagen wollten, ging unter im Chor der Trillerpfeifen und “Nazis raus”-Rufe. Obwohl die Teilnehmer der Gegenkundgebung den Willy-Brandt-Platz nicht betreten sollten, fanden sich dort genug Kamener ein, um die Redeversuche der Rechten zu übertönen. Ausgerechnet Bundestagsabgeordneter Rolf Stöckel und der Leiter des Jugendkulturcafes, Feret Altas, scheiterten dagegen zunächst an einer polizeilichen Zugangssperre. Stöckel wollte das nicht kommentieren, die Polizei wisse besser, wie mit einem solchen Tag umzugehen sei.

Tatsächlich hatten starke Einsatzkräfte aus der Region das Geschehen gut unter Kontrolle und vermieden dennoch allzu massive Präsenz. Eingreifen wurde aber notwendig, als zu Beginn der Veranstaltung ein Handgemenge zwischen Rechten und Gegendemonstranten entstand. Ein Teilnehmer der Gegendemonstration wurde festgenommen, nachdem er mit Stöcken und Steinen Teilnehmer beworfen hatte – auch Rolf Stöckel waren übrigens Steine zum Mitmachen angeboten worden, die der Bundestagsabgeordnete aber dankend abgelehnt hatte. Zwei Teilnehmer der rechtsextremen Versammlung wurden wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und versuchter Gefangenenbefreiung vorläufig festgenommen – was die rechten Organisatoren zu einer kleinen Erpressung motivierte. Eigentlich sei man für diesen Tag in Kamen fertig, betonte ein Redner. Wenn die beiden “Kameraden” aber nicht umgehend auf freien Fuß gesetzt würden, wolle man die genehmigte Zeit bis 15.30 Uhr ausschöpfen. Die Polizei ließ sich nicht beeindrucken. Die beiden Festgenommenen wurden sorgfältig verhört und kamen erst gegen 15.30 Uhr frei. Die Abreise der Rechten nach Paderborn verzögerte sich auf diese Weise – was im Zusammenhang deutlich machte: Die Provokation am Samstag in mehreren Städten ging tatsächlich nur von einer Gruppe aus – und die war relativ überschaubar.

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