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Im Kreis Unna sind Nazis unerwünscht

Sonntag, 29.April 2007 von

Kamen, Presse, Unterbezirk

www.westfaelische-rundschau.de:

Bunte Einheit gegen braune Parolen

Kamen. (wol) Vor einem neuen Generalangriff der Braunen auf das Ruhrgebiet warnte am Samstag an der Maibrücke der sozialdemokratische Landtagsabgeordnete Wolfram Kuschke. Viele Kamener aber gaben dort ein deutliches Zeichen für die Bereitschaft, sich dem entgegen zu stellen.

Die schwarzen Hemden der Kamener Antifaschisten, die roten der Jusos und die fröhlich-bunten der Bürgerinitiative Zivilcourage gaben ein farbenkräftiges Bild ab an der Maibrücke. Knapp 500 Kamener versammelten sich hier um deutlich zu machen, dass Neonazis nach ihrer Ansicht in dieser Stadt nichts verloren hätten. DGB und Parteien, Pfarrer und Schriftsteller solidarisierten sich mit diesem Anliegen. Ungewohnt persönlich wurde Bürgermeister Hermann Hupe in seiner Ansprache. Er habe schon überlegt, ob so etwas hierher gehöre, und sei doch überzeugt gewesen, dass das nationalsoizialistische Kapitel der Geschichte unzählige persönliche Schicksale geprägt habe. Hupe verlas eine Passage aus dem Brief einer Mutter an ihre Tochter, geschrieben in einem Frauenvernichtungslager 1945. Absender war seine Großmutter, Adressat seine Mutter. Für Hupe war dieser Brief ein Beispiel für einen Aufruf zur Menschlichkeit, der nicht vergessen werden dürfe.

Der Bürgermeister erinnerte an die Tradition seiner Vorgänger, die die internationalen Kontakte der Stadt im Sinne der Versöhnung immer weiter ausgebaut hätten, nach Israel und in die Türkei zum Beispiel. Solche Traditionen, wie auch 60 Jahre friedliche Demokratie in Deutschland, werde man immer wieder neu sichern müssen. Und wer versuche, dieses Handeln zu stören, für den sei und bleibe in dieser Stadt kein Platz.

Ein Sprecher der Kamener Antifa forderte aktiven Widerstand gegen immer neue Anläufe von rechts. Mit Ignoranz sei dieses Problem nicht zu lösen. Es bleibe immer die Gefahr, dass Jugendliche gewonnen werden könnten von den Protagonisten eines rechten Radikalismus. Und gefährdete Jugendliche gebe es auch heute und auch in Kamen. Deshalb sei mehr zu tun als der Widerstand gegen organisierte Neonazis. Erst das Ende jeder Diskriminierung und Unterdrückung entziehe den Boden für solchen Extremismus.

Wolfram Kuschke gab solchen Anläufen einen Namen. Als Regierungspräsident schon habe er erlebt, wie ein Dortmunder Neonazi versucht habe, braune Horden durch Dortmund, Hamm und den Kreis Unna laufen zu lassen. Nach einigen Jahren Pause gebe es nun neue Anläufe, die sich auch noch ausgerechnet fest machten am 1. Mai. Und tatsächlich fand sich besagter Dortmunder Neonazis wenig später in der rechten Schar auf dem Willy-Brandt-Platz.

Dass man auch schweigend Widerstand signalisieren kann, bewiesen gleichzeitig rund 150 Kamener in der katholischen Kirche. Kurzfristig hatten die Seelsorger der Stadt zum Friedensgebiet in der Kirche gebeten. “Wir wollen deutlich machen, dass Christen nicht mitmachen, wenn vergessene Parolen wieder aufgegriffen werden”, so Pfarrer Hans-Martin Böcker. “Gegen Rassismus und dumpfe Gewalt” aber erhoben die Kirchen auch ihre lauteste Stimme: Sie ließen als Aufruf für den Frieden die Glocken läuten.

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