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Qualifizierungsmaßnahmen kein Abstellgleis

Montag, 11.Februar 2008 von

Kamen

Die Jusos Kamen veranstalteten Ende 2007 das letzte Forum der dreiteiligen Reihe „Jugendarbeitslosigkeit vor Ort“ unter der Überschrift „Abstellgleis: Qualifizierungsmaßnahme?“. Als sachkundige Gäste begrüßten die Jusos Monika Töpfer, Kreisschulausschussvorsitzende, Annette Mann von der Werkstatt Unna, Martin Wiggermann, Vorsitzender des Lenkungsausschuss der ARGE im Kreis Unna und Maciej Kozlowski, Geschäftsführer AWO Bildung + Lernen im Kreis Unna.

Martin Wiggermann berichtete, dass es in Kamen 2700 Arbeitssuchende, davon 300 Jugendliche, gibt. Viele der jungen Menschen ohne Beschäftigung werden Arbeitsgelegenheiten („1-Euro-Job“) angeboten, doch genau die unter 25-jährigen sollten mehr an Qualifizierungsmaßnahmen teilnehmen. „Leider investiert die Bundesagentur für Arbeit zu viel in kurzfristige Maßnahmen anstatt junge Menschen richtig aus- bzw. weiterzubilden“, so Martin Wiggermann, „außerdem muss es für Menschen, die wirklich gar keine Chance mehr haben, einen sozialen Arbeitsmarkt geben; denn Arbeitsmarktpolitik muss immer Sozialpolitik sein!“. Diese Angebote sollten auch überregional ausgeschrieben werden, so dass auch speziellere Maßnahmen möglich werden, für die es dadurch auch mehr InteressentenInnen gibt. Der Vorsitzende des Lenkungsausschuss forderte auch eine bessere Vernetzung und auch mehr Kooperation zwischen Schule, ARGE und Firmen mit Ausbildungsplätzen.

Auch Maciej Kozlowski kritisierte, dass junge Menschen in 1-Euro-Jobs wenig zu suchen hätten und wies auf die verschiedenen Gründe der Arbeitslosigkeit hin: „Kaum ein Jugendlicher ist arbeitslos, weil er der angeblichen Null-Bock-Generation angehört. Häufig fehlen Vorbilder bei den Eltern, es gibt persönliche Probleme, psychische oder physische Behinderungen und leider ist auch ein Migrationshintergrund häufig ein Einstellungshindernis“. Kozlowski schätzt kurze Maßnahmen eher negativ ein: „Vernünftige Maßnahmen dauern mindestens zehn Monate. Aber dafür ist meistens das Geld nicht da“. Kozlowski sieht auch die Schulen in der Pflicht, da das Ziel nicht nur ein Schulabschluss sein muss, sondern ein Schulabschluss für ein Berufsziel.

Annette Mann betonte, dass es für Jugendliche keine Pauschalregelung geben darf. „Manchmal reichen kurze Maßnahmen, aber häufig brauchen viele junge Menschen Qualifizierungsmaßnahmen, die mehr als eineinhalb Jahre dauern“. Außerdem sind die Defizite sehr unterschiedlich, so dass eine „pro Kopf“ Regelung keinen Erfolg bringen kann. Qualifizierungsmaßnahmen werden von den Jugendlichen vor allem als Chance auf einen folgenden Ausbildungsplatz begriffen.

Obwohl 2007 ein leicht positiver Trend festzustellen war, wies Monika Töpfer auf die seit 1999 zurückgehende Anzahl der Ausbildungsplätze hin. „Leider müssen somit Berufskollegs häufig einspringen, wenn der Markt nicht mehr anbietet. Außerdem müssen an den Berufskollegs mehr Sozialpädagogen eingesetzt werden, da seit 2007 allein 80 neue Schülerinnen und Schüler die Berufskollegs besuchen, die keinen Hauptschulabschluss besitzen“. Töpfer wies aber auch darauf hin, dass Berufskollegs ziemlich teuer sind, aber dadurch auch sichergestellt ist, dass jeder Jugendliche aufgefangen wird. Eine Ausbildungsplatzabgabe ist daher zwingend notwendig. Kritisch äußerte sich die hauptberufliche Lehrerin, dass die schwarz-gelbe Landesregierung den Kompetenzcheck gestrichen hat. Dadurch konnte jede(r) SchülerIn die eigenen Stärken austesten.

Alle Anwesenden waren sich einig, dass Qualifizierungsmaßnahmen unabdingbar sind. Die Jusos Kamen werten nun die Ergebnisse der drei Foren aus.

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